Nach einem kurzen Spaziergang auf den Spuren der Kreuzritter
verlassen wir heute Allenstein in Richtung Masurische Seenplatte und leider
damit auch das gute Wetter. Wir passieren wunderschöne Dörfer, die eingebettet
in Mohnfeldern liegen und sehen zahlreiche Storchennester. Bei einem Halt kaufen meine Eltern nach einer Löffelchenprobe frischen Imkerhonig. Unser Busfahrer Mirek sammelt uns wie gewohnt ein und lawiert uns aus den heikelsten Verkehrssituationen heraus.
Da das
Freiluftmuseum „Wolfschanze“ auf dem Programm steht, bestelle ich beim
Universum ein Regenloch, damit wir trockenen Fußes Hitlers Bunkeranlagen im
Wald besichtigen können. Und tatsächlich: es klappt! Als wir dort ankommen,
brechen sogar ein paar kleine Sonnenstrahlen durch. Wir haben eine hervorragende
Reiseleiterin, die die bewachsenen Ruinen für Momente belebt, sodass ich den
ganzen Kriegsschauplatz sehen kann, inklusive Hitler und Gefolge. Was
veranlasst Menschen hinter 5-7 dicken Betonmauern zu leben, ohne Tageslicht und
mit klitzekleiner Frischluftzufuhr? Die Ideologie, die Angst und der Wahn. Für
mich ist die „Wolfschanze“ die „Wahnschanze“. Die Natur ist mit den gesprengten
Bunkern mittlerweile verschmolzen und ich denke an den Tempel von Bayon, den
ich kürzlich in Kambodscha besichtigt habe. Auch dort hat die Natur die
Herrschaft über die Ruinen übernommen. Hier auf der Wolfschanze wächst also
mittlerweile Gras über die Geschichte und passend dazu fahren russische
Touristen mit Militärfahrzeugen durch den Wald. Einmal Krieg zum Nachspielen
bitte. An Automaten kann man sich Gedenkmünzen ziehen. Das einzige, was damals
und heute gleich geblieben ist, ist die Mückenplage. Ansonsten war das eine
kleine getarnte Stadt mit Wohnbunkern, Kino, Gewächshäusern, Heizkraftwerken,
sanitären Anlagen, Bahnlinien, etc. – der Spielplatz eines kranken Mannes, der
täglich 30 Pillen schluckte.
Nach der Führung fahren wir auf dem Weg zum Hotel entlang der masurischen Seenplatte, zu der rund 3.000 (!) Seen zählen. An einer Drehbrücke machen wir Halt und beobachten gespannt, wie die Landratten mit den Seebären klar kommen. Die Brücke wird seitlich gekippt, sodass die Schiffe die Stelle passieren können. Da ich mich mehr den Planken verbunden fühle, nehme ich am stürmischen Seeufer in einem Liegestuhl Platz und verfasse diese Zeilen. Liebe Grüße an euch alle!
Nach der Führung fahren wir auf dem Weg zum Hotel entlang der masurischen Seenplatte, zu der rund 3.000 (!) Seen zählen. An einer Drehbrücke machen wir Halt und beobachten gespannt, wie die Landratten mit den Seebären klar kommen. Die Brücke wird seitlich gekippt, sodass die Schiffe die Stelle passieren können. Da ich mich mehr den Planken verbunden fühle, nehme ich am stürmischen Seeufer in einem Liegestuhl Platz und verfasse diese Zeilen. Liebe Grüße an euch alle!

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