Freitag, 13. Juni 2014

Wolfschanze: Von Mücken und Wölfen


Nach einem kurzen Spaziergang auf den Spuren der Kreuzritter verlassen wir heute Allenstein in Richtung Masurische Seenplatte und leider damit auch das gute Wetter. Wir passieren wunderschöne Dörfer, die eingebettet in Mohnfeldern liegen und sehen zahlreiche Storchennester. Bei einem Halt kaufen meine Eltern nach einer Löffelchenprobe frischen Imkerhonig. Unser Busfahrer Mirek sammelt uns wie gewohnt ein und lawiert uns aus den heikelsten Verkehrssituationen heraus.
Da das Freiluftmuseum „Wolfschanze“ auf dem Programm steht, bestelle ich beim Universum ein Regenloch, damit wir trockenen Fußes Hitlers Bunkeranlagen im Wald besichtigen können. Und tatsächlich: es klappt! Als wir dort ankommen, brechen sogar ein paar kleine Sonnenstrahlen durch. Wir haben eine hervorragende Reiseleiterin, die die bewachsenen Ruinen für Momente belebt, sodass ich den ganzen Kriegsschauplatz sehen kann, inklusive Hitler und Gefolge. Was veranlasst Menschen hinter 5-7 dicken Betonmauern zu leben, ohne Tageslicht und mit klitzekleiner Frischluftzufuhr? Die Ideologie, die Angst und der Wahn. Für mich ist die „Wolfschanze“ die „Wahnschanze“. Die Natur ist mit den gesprengten Bunkern mittlerweile verschmolzen und ich denke an den Tempel von Bayon, den ich kürzlich in Kambodscha besichtigt habe. Auch dort hat die Natur die Herrschaft über die Ruinen übernommen. Hier auf der Wolfschanze wächst also mittlerweile Gras über die Geschichte und passend dazu fahren russische Touristen mit Militärfahrzeugen durch den Wald. Einmal Krieg zum Nachspielen bitte. An Automaten kann man sich Gedenkmünzen ziehen. Das einzige, was damals und heute gleich geblieben ist, ist die Mückenplage. Ansonsten war das eine kleine getarnte Stadt mit Wohnbunkern, Kino, Gewächshäusern, Heizkraftwerken, sanitären Anlagen, Bahnlinien, etc. – der Spielplatz eines kranken Mannes, der täglich 30 Pillen schluckte.
Nach der Führung fahren wir auf dem Weg zum Hotel entlang der masurischen Seenplatte, zu der rund 3.000 (!) Seen zählen. An einer Drehbrücke machen wir Halt und beobachten gespannt, wie die Landratten mit den Seebären klar kommen. Die Brücke wird seitlich gekippt, sodass die Schiffe die Stelle passieren können. Da ich mich mehr den Planken verbunden fühle, nehme ich am stürmischen Seeufer in einem Liegestuhl Platz und verfasse diese Zeilen. Liebe Grüße an euch alle!














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