Auch heute beginnt der Tag musikalisch, beim Frühstück wie
beim ersten Halt im Dom zu Frauenburg. Auch hier war der Deutsche Orden aktiv
und - wie so oft auf dieser Reise – sind auch hier die deutsche und polnische
Geschichte ganz eng miteinander verknüpft. Herzstück des Doms ist eine
großartige Orgel, aber das eigentliche Herzstück ist der Organist Arkadiusz
Poplawski. Wie ein Pilot im Flugzeug sein Cockpit aktiviert, drückt der Meister
unzählige Schalter im Bauch des schlummerndes Orgelwesens und erweckt es zum
Leben. Die Walküre von Richard Wagner ertönt und geht uns durch Mark und Bein.
Es folgt ein Feuerwerk an musikalischen Leckerbissen; u.a. der Bolero von Ravel
und das Ave Maria von Schubert. Bei „Freude schöner Götterfunken“ fließen bei
einigen die Tränen, sodass der Aufstieg zum Dom-Turm, der das Focault’sche
Pendel birgt, für manche beschwerlich wird. Für mich lohnt er sich, denn von
hier aus kann man bis nach Kaliningrad (Russland) blicken. Ich denke, dass ich
auch mal Russland ausführlicher bereisen muss. Ich kenne nur Moskau und
Umgebung.
Im Anschluss besuchen wir im Dom noch das Grab von
Kopernikus und erfahren, dass er für damalige Verhältnisse steinalt geworden
ist, nämlich 70 Jahre. Das letzte Portrait ließ er von sich mit 42 Jahren
anfertigen, danach empfand er sich als Greis und wollte weder gezeichnet noch
gemalt werden. Dank moderner Bildgebungsmethoden bekommen wir einen Eindruck
davon, wie das eitle Genie aussah als es starb.
Kurz bevor wir den Dom verlassen, streichele ich noch ein
lachendes Skelett mit der linken Hand. Der Legende nach werde ich also
innerhalb von neuen Monaten auf meinen Traummann treffen und ihn heiraten.
Den Nachmittag verbringen wir auf dem Oberlandkanal – ein
einzigartiges Naturreservat mit Kranichen, Störchen, Schwänen und Seerosen. Das
Schaukeln des Bootes wiegt mich in meine Erinnerungen. Ich sehe mich als
Siebenjährige aus Schilf Kränze flechten und vom Steg aus Fische angeln. Ich
freue mich unbändig, wenn einer anbeißt. Die Lebenslust gepaart mit Neugier ist
mir bis heute erhalten geblieben und sie sind auch der Antrieb für alles in
meinem Leben. Danke Universum.



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