Donnerstag, 12. Juni 2014

Frombork und Oberlandkanal: Von Landratten und Seebären


Auch heute beginnt der Tag musikalisch, beim Frühstück wie beim ersten Halt im Dom zu Frauenburg. Auch hier war der Deutsche Orden aktiv und - wie so oft auf dieser Reise – sind auch hier die deutsche und polnische Geschichte ganz eng miteinander verknüpft. Herzstück des Doms ist eine großartige Orgel, aber das eigentliche Herzstück ist der Organist Arkadiusz Poplawski. Wie ein Pilot im Flugzeug sein Cockpit aktiviert, drückt der Meister unzählige Schalter im Bauch des schlummerndes Orgelwesens und erweckt es zum Leben. Die Walküre von Richard Wagner ertönt und geht uns durch Mark und Bein. Es folgt ein Feuerwerk an musikalischen Leckerbissen; u.a. der Bolero von Ravel und das Ave Maria von Schubert. Bei „Freude schöner Götterfunken“ fließen bei einigen die Tränen, sodass der Aufstieg zum Dom-Turm, der das Focault’sche Pendel birgt, für manche beschwerlich wird. Für mich lohnt er sich, denn von hier aus kann man bis nach Kaliningrad (Russland) blicken. Ich denke, dass ich auch mal Russland ausführlicher bereisen muss. Ich kenne nur Moskau und Umgebung.

Im Anschluss besuchen wir im Dom noch das Grab von Kopernikus und erfahren, dass er für damalige Verhältnisse steinalt geworden ist, nämlich 70 Jahre. Das letzte Portrait ließ er von sich mit 42 Jahren anfertigen, danach empfand er sich als Greis und wollte weder gezeichnet noch gemalt werden. Dank moderner Bildgebungsmethoden bekommen wir einen Eindruck davon, wie das eitle Genie aussah als es starb.

Kurz bevor wir den Dom verlassen, streichele ich noch ein lachendes Skelett mit der linken Hand. Der Legende nach werde ich also innerhalb von neuen Monaten auf meinen Traummann treffen und ihn heiraten.

Den Nachmittag verbringen wir auf dem Oberlandkanal – ein einzigartiges Naturreservat mit Kranichen, Störchen, Schwänen und Seerosen. Das Schaukeln des Bootes wiegt mich in meine Erinnerungen. Ich sehe mich als Siebenjährige aus Schilf Kränze flechten und vom Steg aus Fische angeln. Ich freue mich unbändig, wenn einer anbeißt. Die Lebenslust gepaart mit Neugier ist mir bis heute erhalten geblieben und sie sind auch der Antrieb für alles in meinem Leben. Danke Universum.














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