Heute erleben wir einen krönenden Abschluss unserer
Polenreise im schönsten Landstrich Polens, allerdings bei herbstlichen
Temperaturen. Am Morgen ziehe ich meine Sportleggings unter die lange Stoffhose
an sowie sämtliche Pullis, Westen und zu guter Letzt die Windjacke. Bekanntlich
gibt es kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.
Es geht wieder entlang der Mohnfelder zum Hafen von
Mikolajki. Der kleine Ort lebt von den Touristen und den Seglern. Heute ist er
wie leergefegt, sodass sich sogar Schwäne und Störche auf die Straße wagen. Papa
nutzt die Gunst der Stunde und füttert zwei Störche. Lustiges gibt es auch auf
der Uferpromenade zu sehen: Auf der geknickten Bank sollen sich Fremde
näherkommen. Danach fahren wir Krutyn (dt. Krutinnen), in ein Dorf, das wegen
seiner Kajaks berühmt ist. Jeder Einwohner kommt hier im Durchschnitt auf 10 Kajaks. Nach einem leckeren Essen bestehend
aus Gurken- und Sauerampfersuppe sowie Zander in einem Landgasthof, nehmen Mama
und ich an einer Stocherkahnfahrt teil. Das Universum sorgt dafür, dass es
während der Bootsfahrt im Naturschutzgebiet nicht regnet.
Ich bin verzaubert von dieser einzigartigen Umgebung und
fühle mich so, als ob ich live durch die Seerosenbilder von Monet fahren würde.
Wie in seinen Bildern spiegeln sich auch hier die Bäume und Wolken im Wasser,
dazwischen schwimmen Seerosen sowie Schwäne und Stockenten mit Nachwuchs.
Solche putzigen Küken habe ich bisher noch nirgends gesehen. Hinzu kommt, dass
jeder Kajakfahrer, der uns passiert, ein freundliches Wort oder einen frechen
Spruch zuruft.
Nach dem Naturparadies besuchen wir das Dorf Wojnowo
(Eckertsdorf), wo sich einst die russisch-orthodoxe Sekte der Altgläubigen niedergelassen
hat. Wir bewundern die alten Ikonen sowie den Friedhof. Ich bin über die
Vielfalt der Minderheiten in Polen erstaunt. Für mich gab es sie bis dato in
dem katholischen Land nicht. Ich wusste bis heute auch nicht, dass die Tataren Muslime
sind. Unsere Reiseleiterin Iwona hat ein Wissen wie eine Bibliothek und ich bin
dankbar, dass ich davon profitieren kann. Dankbar bin ich auch, dass ich diese
sehr persönliche Reise mit meinen Eltern machen durfte. So habe ich viel über
mich und meine Herkunft erfahren und bin wieder um weitere Facetten reicher
geworden. Dziekuje wam kochani, kocham was i ciesze sie na nastepne wycieczki!


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