Zum Frühstück esse ich heute polnische Pastete mit
Zimtpflaumen und dazu etwas Gemüsesalat. Schon sehe ich vor meinem inneren Auge
unsere große Speisekammer in Polen, die immer gut gefüllt war mit allerhand
Leckereien. Ich sehe meine Mama mit meiner Oma am Herd stehen und im Sommer
Obst für den Winter einkochen, denn frisches Obst hatten wir im Winter kaum.
Nach dem Frühstück brechen wir nach Marienburg auf und ich tauche in eine Welt von
Ordensrittern, Hochmeistern und pfiffigen Mönchen ein. Die Marienburg war von
1309 bis 1454 der Sitz der Hochmeister des Deutschen
Ordens im Deutschordensstaat. Sie erstreckt sich auf einem Gebiet von 3,5 Quadratkilometern
und ist mit allerhand technischen Finessen versehen: mit einem Aufzug von der
Küche bis zum Speisesaal, einer Fußbodenheizung und einer Toilette für die
Ordensritter. Diese lebten im Zölibat, kämpften für ihren Glauben, bildeten
v.a. das Zentrum für Kultur und Wissenschaft. Ferner wussten sie gut zu leben: sie hatten
eine warme Stube und eine reichhaltige Speisekarte mit den verschiedensten Fleisch-
und Wurstwaren sowie Käse, ferner Früchte, Beeren, Pilze sowie Bier und Wein. Auch hier bevölkern die Schulklassen die Ausflugsziele und das ist gut so.
Nach der Reise in das Mittelalter fahren wir weiter nach
Danzig, wo wir eine Stadtführung machen. Auf den ersten Blick versprüht die Stadt Leichtigkeit und Charme. Die Gassen erstrahlen im Sonnenlicht und wir nehmen einfach die verschiedenen Stimmungen der Handwerker, Geistlichen und Besucher auf.
An der Lenin-Werft im Danziger Hafen erwartet und uns ein völlig anderes Kapitel der polnischen Geschichte:
Lech Walesa und die Solidarnosc-Bewegung, die zum Niedergang des Kommunismus führten.
Wie ein Mahnmal ragen die riesigen Kräne der Danziger Werft in den Himmel und
erinnern an die Kraft, die einst von diesem magischen Ort über ganz Polen bis
nach Europa schwappte und allen Polen ein Leben in Freiheit ermöglichte.
Ich
bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie schon 1977 ihre Heimat verlassen haben
und mein Bruder und ich den Kriegszustand nicht miterleben mussten. Auch unsere
Eltern hatten als Flüchtlinge Mut, Kraft und eine Vision davon, wie ein Leben
in Freiheit aussehen sollte. Ihre ganz persönliche Solidarnosc-Bewegung
ermöglichte uns Kindern Freiheit, Weltoffenheit und Empathie für andere Völker.
Danke.




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